Ein palästinensischer Muslim, der das "Verbrechen" begeht, Immobilien an Juden zu verkaufen, darf nicht erwarten, auf einem islamischen Friedhof bestattet zu werden. Eine Ehe mit ortsansässigen Palästinensern ist für Mitglieder der Familie dieses Kriminellen nicht mehr möglich und wenn Hochzeiten der Familie stattfinden, kommen keine Gäste.

So zahlen sowohl die Lebenden als auch die Toten den Preis für solch einen "Verrat".

Dies ist nur ein Beispiel für die Strafmassnahmen, die nun palästinensischen Einwohnern Jerusalems drohen, die an Immobiliengeschäften mit Juden beteiligt sind.

Die jüngsten Massnahmen wurden unlängst von einer Gruppe palästinensischer Aktivisten in Ostjerusalem verkündet. Dies als Teil einer neu aufgelegten Kampagne gegen Palästinenser, die des Verkaufs eines Hauses oder Grundstücks an eine jüdische Einzelperson oder Organisation für schuldig befunden werden.

Die Kampagne, die den Segen hochrangiger Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) und der Hamas erhielt, erfolgt im Zusammenhang mit Bemühungen der Palästinenser, eine "Judaisierung" Jerusalems durch die Israelis zu verhindern. Sie ist auch Teil der Überzeugung, dass das gesamte Land in muslimischem Besitz sei und kein Muslim das Recht habe, auch nur einen Zentimeter davon an einen Nichtmuslim abzutreten. Anders gesagt ist es Muslimen verboten, ihr Haus oder Land an einen Juden oder Christen zu verkaufen.

Diese Kampagne schürt die Angst, dass Palästinenser erneut aussergerichtliche Exekutionen verdächtigter Landverkäufer durchführen könnten.

Obwohl die hinter der Kampagne steckenden Aktivisten nicht offen zur Exekution von Palästinensern, die an Immobiliengeschäften mit Juden beteiligt sind, aufrief, zeigt die Vergangenheit, dass "Verdächtige" oft von ihren eigenen Leuten gekidnappt und ermordet werden.

Zwischen 1996 und 1998 wurden mindestens acht Palästinenser, die man verdächtigte, Immobilien an Juden zu verkaufen oder als Mittelsmänner bei solchen Transaktionen zu fungieren, von palästinensischen Aktivisten entführt und getötet.

Palästinenser betrachten den Verkauf von Häusern oder Land an Juden als Akt des Hochverrats. Die Gesetze und Fatwas (religiöse Anordnungen im Islam) der Palästinensischen Autonomiebehörde verbieten es Palästinensern, Land an "Personen oder Rechtseinheiten, die jüdischer Nationalität oder in Israel ansässig sind oder in deren Namen handeln" zu verkaufen.

2009 verurteilte ein Gericht der Palästinensischen Autonomiebehörde in Hebron Anwar Breghit, 59, wegen des Verkaufs von Land an Israelis zum Tode. Obwohl das Urteil niemals vollstreckt wurde, erreichte es seinen Zweck: andere davon abzuschrecken, ähnliche Transaktionen mit Juden einzugehen.

2014 gab PA-Präsident Mahmud Abbas eine Durchführungsverordnung heraus, die Abschnitte der strafrechtlichen Bestimmungen im Hinblick auf Immobiliengeschäfte ergänzte und die Strafen für den Verkauf von Land an "feindliche Länder" und deren Bürger heraufsetzte. Die Entscheidung Abbas' erfolgte nach Berichten darüber, dass Palästinenser im Jerusalemer Stadtviertel Silwan Häuser an Juden verkauft hatten.

Nach Berichten über Palästinenser, die Häuser im Jerusalemer Stadtviertel Silwan (siehe Bild oben) verkauft hatten, gab der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, im Jahr 2014 eine Durchführungsverordnung heraus, die Abschnitte der strafrechtlichen Bestimmungen im Hinblick auf Immobiliengeschäfte ergänzte und die Strafen für den Verkauf von Land an 'feindliche Länder' und deren Bürger heraufsetzte. (Foto Wikimedia Commons/Gilabrand)

Die Formel "verkaufe an Juden und werde ermordet" ist jedoch nicht neu. 1998 dokumentierte Amnesty International das Muster: "Das Foltern von Menschen, die der 'Kollaboration' mit Israel oder des Verkaufs von Land an Israelis beschuldigt wurden, erfolgte offenbar systematisch", so der Bericht.

"Illegale Tötungen, darunter auch aussergerichtliche Exekutionen, fanden weiterhin statt. Im Mai [1998] wurden drei Landverkäufer tot aufgefunden, nachdem der Justizminister [der PA], Freih Abu Meddein, bekannt gegeben hatte, dass die Palästinensische Autonomiebehörde mit der Anwendung eines jordanischen Gesetzes beginnen würde, das die Todesstrafe für Personen vorsieht, die des Verkaufs von Land an Juden für schuldig befunden werden."

In den vergangenen Wochen gab eine palästinensische Gruppe, die nationale Arbeitskommission in Jerusalem, eine weitere Warnung an Palästinenser aus, die man einer Beteiligung an Immobiliengeschäften mit Juden verdächtigt. In einer Broschüre, die in Ostjerusalem verteilt wurde, rief die Gruppe zum religiösen, wirtschaftlichen und sozialen Boykott verdächtigter Immobilienhändler und ihrer Familien auf.

"Wir verlangen weitere Massnahmen, um den Maklern und den Schwächlingen unter den Palästinensern in Jerusalem zu entsagen und sie unter Druck zu setzen. Wir rufen zum vollkommenen Boykott dieser Leute auf allen Ebenen – sozial und ökonomisch – auf und dazu, sich nicht an Handel oder Käufen oder Verkäufen mit ihnen zu beteiligen und nicht an ihren Freuden und Sorgen oder religiösen, nationalen oder kulturellen Ereignissen teilzunehmen. Die Immobilienhändler sollen wissen, dass sie ihrer irdischen Strafe im Leben nicht entgehen werden. Sie werden nicht nur nicht auf islamischen Friedhöfen bestattet, sondern auch ihre Familien werden bestraft. Es ist dann verboten, ihre Familienmitglieder zu heiraten oder in irgendeiner Weise mit ihnen Umgang zu haben."

Die Gruppe, die sich aus einer grossen Zahl palästinensischer politischer Aktivisten und prominenter Personen aus Ostjerusalem zusammensetzt, drohte auch damit, Fotos und persönliche Daten der Landverkäufer in den sozialen Medien zu veröffentlichen. Darüber hinaus rief die Gruppe arabische Länder dazu auf, Palästinensern, die einer Beteiligung an Immobiliengeschäften mit Juden für schuldig befunden wurden, die Einreise zu verweigern.

Diese Drohung erfolgte nur wenige Tage, nachdem mehrere palästinensische Familien aus der Altstadt von Jerusalem eine ähnliche Kampagne gestartet und Palästinenser ins Visier genommen hatten, die man der Beteiligung an Immobiliengeschäften mit Juden verdächtigte. Die Familien unterzeichneten, was sie als "Dokument des Jerusalemer Versprechens und seiner Verpflichtungen" zur Verhinderung von Immobiliengeschäften mit Juden bezeichneten.

Das Dokument besagt, dass jeder Palästinenser, der beim Verkauf eines Hauses oder von Land an Juden ertappt wird, als "aus den Reihen der Nation ausgeschieden und als Verräter an Allah und seinem Propheten" angesehen wird. Es warnte ausserdem, dass für diejenigen, die sich dem Verbot entziehen, bei ihrem Tod keine Gebete in der Moschee gesprochen und sie nicht auf einem islamischen Friedhof bestattet würden. Die Familien forderten die Palästinensische Autonomiebehörde und andere palästinensische Splittergruppen und Institutionen dazu auf, alle Massnahmen zu ergreifen, um "die Kollaborateure und diejenigen, die ihre Tätigkeiten decken, zu vertreiben, sie blosszustellen und Schande über sie zu bringen, unabhängig von ihrem Einfluss und ihrem Status."

Mustafa Abu Zahra, ein bekannter palästinensischer Geschäftsmann aus Jerusalem und einer der Drahtzieher des Dokuments, rief die Palästinensische Unabhängigkeitsbehörde dazu auf, alle "abzuschrecken", die an den Verkauf oder die Unterstützung eines Verkaufs von Immobilien aus arabischem Besitz an Juden dächten.

Ein weiterer palästinensischer Vertreter, Najeh Bkeirat, der beim Aufsetzen des Dokuments eine wichtige Rolle spielte, behauptete, Israel strebe danach, "die angestammten Bewohner aus der Altstadt zu entfernen, so wie es schon in Haifa, Jaffa und Akkon geschieht".

Die neuerliche Kampagne gegen Palästinenser, die des Verkaufs von Immobilien an Juden verdächtigt werden, könnte sich als Sargnagel für jeden Palästinenserführer erweisen, der versucht, einen territorialen Kompromiss als Teil eines Friedensabkommens mit Israel zu schliessen. Es steht sehr viel auf dem Spiel: Es geht um den Verrat an Allah und dem Propheten Mohammed.

"Dieses Dokument warnt die Palästinensische Autonomiebehörde und ihre Verhandlungsführer, dass sie nicht ein Sandkorn von Jerusalem und des Landes Palästina aufgeben dürfen", erklärte der palästinensische Kolumnist Ghassan Mustafa Al-Shami. "Das Dokument ist darüber hinaus eine Botschaft an alle nationalen Splittergruppen der Palästinenser, die besagt, dass sie alle Massnahmen ergreifen müssen, um diejenigen zu verfolgen, denen es in den Sinn kommt, Land oder Häuser in Jerusalem und dem Westjordanland zu verkaufen, und um sie als Verräter vor Gericht zu stellen."

Letztlich untergräbt diese Kampagne die langjährige Behauptung der Palästinenser, Juden übernähmen "in illegaler Weise" Häuser und Land aus arabischem Besitz in Jerusalem. Wie es aussieht, haben Juden bereitwilligen Arabern bares Geld für die Immobilien gezahlt. Durch die Unterstützung solcher Kampagnen schiesst sich die Palästinensische Autonomiebehörde wieder einmal nicht nur in den Fuss, sondern auch in den Kopf.

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent.

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