• Nach Angaben von Schwedens Oberkommandierendem Sverker Göransson können wir uns - bestenfalls und in fünf Jahren - an einer Stelle eine Woche lang verteidigen.

  • "Man muss immer darauf vorbereitet sein die Hauptstadt des Landes, lebenswichtige Infrastruktur, Stromversorgung und Telekommunikation, wichtige Flughäfen, wichtige Grundbedürfnisse und militärische Befestigungen zu verteidigen. ... Heute Schweden hat diese Fähigkeit nicht. ... Der Konsens war, dass kein Staat in Europa jemals wieder einen anderen angreifen würde. Aber gerade hatte jemand es getan und das war nicht irgendjemand. Es war Russland." — Wilhelm Agrell, Militärhistoriker.

  • "Die Idee, dass Schweden zu verteidigen das Wichtigste ist, ging verloren." — Owe Wictorin, ehemaliger Oberkommandierender.

  • "Was die Russen angeht, so wäre es ein großer Vorteil Gotland 'auszuleihen'... Das geht schnell und einfach und sie können sagen: 'Ihr bekommt die Insel zurück. Wir wollen euch nicht schaden, ihr bekommt Gotland in zwei bis drei Monaten wieder, wir müssen nur die baltischen Staaten dazu bringen zu tun, was wir wollen.'" — Karlis Neretnieks, ehemaliger Leiter des Nationalen Verteidigungszentrums.

  • Das Parlament forderte vieles, hat aber den Streitkräften nie genug Geld gegeben, sie zu tun.

Vor ein paar Jahrzehnten hatte Schweden ein starkes Militär. Seine Luftwaffe war eine der leistungsfähigsten der Welt, seine Marine hatte Dutzende Schiffe und U-Boote und Artillerie schützte die Küsten aus einer Vielzahl geheimer Verstecke in Bergen.

Heute ist - nach einer Reihe fataler Entscheidungen auf der Grundlage des Glaubens, dass Kriege in Europa ein Ding der Vergangenheit sind - der Großteil des Militärs nicht mehr vorhanden und Schweden hat praktisch keine Mittel mehr sich zu verteidigen.

Nach Angaben von Schwedens Oberkommandierendem Sverker Göransson können wir uns - bestenfalls und in fünf Jahren - an einer Stelle eine Woche lang verteidigen.

Schweden ist mit 447.435 km² ein großes Land, das fünftgrößte in Europa. Es hat auch eine der längsten Küsten in Europa (3.200km), die nicht leicht zu verteidigen ist.

Vier Tage vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs erklärte der damalige Premierminister Per Albin Hansson, dass "Schweden gut vorbereitet ist". Doch diese Erklärung war gelogen. Schwedens finanzielle Bereitschaft mag gut gewesen sein, aber seine militärische Bereitschaft war grottenschlecht. Die schwedische Armee war veraltet. Seit den 1920-er Jahren war Schwedens Militär fast halbiert worden. Schweden hätte Hitlers Deutschland vielleicht ein paar Stunden Widerstand leisten können.

Indem es sich für neutral erklärte - und Deutschland gestattete das schwedische Eisenbahnsystem für den Transport von Waffen und Personal nach und von Norwegen zu nutzen - war Schweden in der Lage dem Schicksal Dänemarks und Norwegens zu entgehen, die von den Deutschen besetzt wurden. Während des Krieges begann Schweden allerdings eine beträchtliche Mobilisierung. Bis 1943 hatte es eine respektable militärische Stärke gewonnen.

Das Clevere an Schwedens Militärdoktrin waren die Wehrpflicht und die "Mobilisierungsverwahrorte". Die Wehrpflicht bedeutete, dass alle jungen Männer zum Militärdienst verpflichtet waren - eine Tradition, die bis ins Zeitalter der Wikinger zurückreicht, damals als ledungen bekannt, eine einheimische Armee zur Verfügung des Königs.

Die Mobilisierungsverwahrorte waren eine schwedische Innovation. Statt ein stehendes Militär in zentralisierten Basen zu haben, wie es in anderen Ländern der Fall war, entschied sich Schweden für ein Militär, das schnell mobilisiert werden konnte - dessen Waffen und andere Ausrüstung in kleinen, geheimen Lagern in den Wäldern versteckt waren. Einige Quellen sagten, dass es bis zu zwischen 6.000 und 8.000 Aufbewahrungsorte gab. Jeder, der im Militär gedient hatte, wurde Auffrischungsübungen unterzogen und wusste genau, wo er sich im Falle eines Krieges einzufinden hatte. Sollte ein Feind Schweden plötzlich angreifen, könnten innerhalb von Stunden Hunderttausende voll bewaffnete Soldaten eingesetzt werden.

Dieses starke schwedische Militär blieb bis Mitte der 1980-er Jahre erhalten. Zu dieser Zeit befanden sich 100.000 aktive Soldaten im Dienst bei Kampfeinheiten der Armee; und über die lokalen Verteidigungseinheiten und Nationalgardisten standen weitere 350.000 Männer zur Verfügung. Die Luftwaffe hatte mehr als 300 Flugzeuge; die Marine hatte rund 40 Kriegsschiffe und 12 U-Boote, die Küstenartillerie 28 Bataillone.

Am 16. April 2015 strahlte das öffentlich-rechtliche schwedische Fernsehen (SVT) die Dokumentation "Was geschah mit der Verteidigung?" aus. Es war ein vollständiger Bericht über das Militär, das verschwunden war.

"Schweden hatte eine Heimatverteidigung, die von Wehrpflichtigen bemannt war, die bei Bedarf einberufen werden konnten", sagte der Militärhistoriker Wilhelm Agrell in der Dokumentation. "Man konnte die Bereitschaft verbessern und Schritt für Schritt mobilisieren. Das Potenzial war riesig, wenn man Vollgas gab, was wir nie machten."

Aber der Unterhalt war teuer. Als der Kalte Krieg endete und 1989 die Berliner Mauer fiel und als kurz darauf die Sowjetunion zusammenbrach, begann die Qualität des schwedischen Militärs zu schwinden. Warum sich kümmern, dachte man. Der russische Bär war friedlich.

Dann geschah etwas Seltsames - die Führer der Streitkräfte entschieden eine "Auszeit" zu nehmen. Die höchsten militärischen Kommandeure des Landes waren überzeugt, dass die Drohung einer Invasion ein Ding der Vergangenheit war und dass daher die Verteidigung des Landes stillgelegt werden konnte. Die überzeugten die Politiker, dass eine vollständige Überarbeitung des Militärs das Richtige sei; sie wollten eine "Pause", um zehn Jahre später wieder zurückzukehren - moderner und stärker als je zuvor.

Heute wissen wir, was geschah. "Die Hälfte der Umwandlung verlief sehr gut" erklärt Wilhelm Agrell. "Nämlich der Abbau der alten Struktur."

Einer der Befürworter der militärischen Umgestaltung war Generalleutnant Johan Kihl vom Heer. Er wurde 1996 der Leitende Strategische Offizier im Oberkommando und war verblüfft festzustellen, dass so viele Dinge im schwedischen Militär veraltet waren. "Zum Beispiel", sagt Kihl in der Dokumentation", hatten wir 850.000 Fliegenklatschen auf Lager. Wir hatten massenhaft Autos aus den 1960-er Jahren, LKW, die nur ein paar Kilometer gefahren waren. Das war nicht tragbar; wir mussten die ausmustern."

Aber was sollte sie ersetzen? Ideen flossen. Vielleicht würden die Kriege der Zukunft völlig anders aussehen - vielleicht waren schnelle, agile Streitkräfte der einzuschlagende Weg? Vielleicht Streitkräfte, die dieses Internet nutzen könnten, von dem alle redeten - was, wenn alles einfach miteinander vernetzt werden konnte?

1994 sprach Kihl von "Hacker-Zügen", Sensoren, die alle Schweden beobachten konnten, unbemannten Flugzeuge und Ballone, die über alles berichten könnten, was sich bewegt.

General Owe Wictorin, Oberkommandierender des Militärs in dieser Zeit, war genauso enthusiastisch. In einem Fernsehinterview sagte er: "Vielleicht kann ein Oberkommandierender zukünftig das Telefon nutzen, um einen Angriff abzuwehren, statt Kugeln und Schießpulver. Vielleicht indem er sagt: 'Ich sehe, was ihr macht. Hört auf oder wir werden euch bekämpfen.'"

Im selben Zeitraum wurde Schweden von einer schweren Rezession getroffen. 1992 wurde der Zinssatz auf atemberaubende 500% angehoben und Politiker suchten überall nach möglichen Budgetkürzungen. Als General Wictorin Verteidigungskürzungen und Reformen zugunsten von modernen und flexiblen Streitkräften vorschlug, klang die Idee nach einem Weihnachtsgeschenk.

Im Herbst 1998 hatte General Wictorin seine Pläne für die historische Umwandlung fertig ausgearbeitet. Doch sein großer Fehler bestand darin nicht verstanden zu haben, dass die Politiker inzwischen den Verteidigungsbereich als einen identifiziert hatten, der reif für große Haushaltskürzungen war. Als der Staatshaushalt zwei Tage, nachdem General Wictorin seinen Vorschlag vorgeschlagen hatte, vorgelegt wurde, fiel das Verteidigungsbudget um 15 Milliarden Kronen (1998 rund $1,9 Milliarden Dollar) geringer aus. In der Dokumentation sagt General Wictorin: "Die geforderten Zaubertricks konnten wir nicht ausführen. Unser Plan ging direkt in die Mülltonne; mit diesen Kürzungen war es nicht möglich ihn umzusetzen."

Dann geriet alles aus den Fugen. Im Jahr 2000 traf das schwedische Parlament eine neue Entscheidung zur Verteidigungspolitik - das Budget zu halbieren. Verglichen mit 1985 gab es jetzt nur noch

  • 15 Prozent der Kampfeinheiten des Heeres,
  • ein Zehntel der lokalen Verteidigungseinheiten,
  • halb so viele Nationalgardisten,
  • ein Viertel der Marine.

Das moderne schwedische Militär, über einhundert Jahre hinweg aufgebaut, wurde in zehn oder elf Jahren abgewrackt. Nach Angaben des Militärhistorikers Wilhelm Agrell war der Demontageprozess unglaublich gewaltig. Jedes einzelne Teil auf Lager in den Mobilisierungsverwahrorten wurde in zentrale Lagerungskasernen geholt. Der Prozess geriet schnell außer Kontrolle und binnen kurzer Zeit wusste niemand mehr, was wo war. Das ganze Manöver stellte sich auch als etwas teurer heraus als erwartet. Nichts verlief planmäßig und dann war es Zeit für die nächste große Entscheidung darüber, wie mit dem Militär umgegangen werden sollte.

2004 wurden weitere Einheiten abgeschafft und 5.000 Soldaten (25% der Gesamtzahl) wurden entlassen.

"Die neue Verteidigung", sagte Agrell, "sollte 2004 eingerichtet sein, aber zu diesem Zeitpunkt was alles ein schreiendes Chaos. Es gab keine neue Verteidigungspolitik und nicht genug Geld. Was sollte man tun? Nun, die Politiker befahlen einmal mehr Kürzungen."

Dann blieb das hier übrig:

  • sechs Prozent der Kampfeinheiten
  • keine lokalen Verteidigungseinheiten
  • die Nationalgarde wurde noch einmal halbiert
  • 100 Flugzeuge statt 200
  • eine halbierte Marine mit nur sieben Überwasserschiffen und vier U-Booten

Der Fokus des schwedischen Militärs wandte sich nun internationalen Einsätzen zu. Truppen wurden nach Afghanistan geschickt, auf einen Einsatz, der sich 13 Jahre hinzog. Man konnte allerdings keine Wehrpflichtigen auf Auslandseinsätze befehlen; dieser Einsatz benötigte Berufssoldaten. Daher wurde die Wehrpflicht aufgehoben und Berufsstreitkräfte eingeführt.

Dann geschah 2008 das Undenkbare: Russland marschierte in Georgien ein und ein fünftägiger Krieg fand statt. Der russische Bär war aufgewacht.

"Jetzt", formulierte Agrell, "hatten wir einen Stein im Schuh. Der Konsens war, dass kein Staat in Europa jemals wieder einen anderen angreifen würde. Aber gerade hatte jemand es getan und das war nicht irgendjemand. Es war Russland. Das sollte eigentlich nicht geschehen, aber es war passiert. Plötzlich begriffen die schwedischen Politiker, dass wir eine Art Verteidigungsfähigkeit brauchten, wenn wir gegen alle Wahrscheinlichkeit doch wieder bedroht werden sollten."

Die hochrangigen Militärs, die sich bis dahin ziemlich still verhalten hatten, erwachten plötzlich zum Leben. 2011 begannen russische Kampfflugzeuge wieder nahe des schwedischen Luftraums zu fliegen (was während des Kalten Krieges übliche Praxis gewesen war, aber in den 1990-ern nachgelassen hatte) und es gab neue Berichte über ausländische U-Boote, die entlang der Küsten gesichtet wurden. 2013 äußerte General Sverker Göransson, Oberkommandierender des schwedischen Militärs, etwas, das die Schweden zu Tode erschreckte - und die Politiker toben ließ. Auf die Frage, wie gut das schwedische Militär sei, antwortete General Göransson: "Wir können uns gegen den Angriff auf ein örtlich begrenztes Ziel verteidigen. Wir reden von etwa einer Woche, wenn wir auf uns selbst gestellt sind."

Durfte Göransson so etwas wirklich sagen oder war das Geheiminformation? Der Oberkommandierende wurde beschuldigt die nationale Sicherheit verletzt zu haben, aber er wankte nicht.

Eine russische Parodiesendung im Fernsehen witzelte darüber, dass Schweden nur in der Lage war eine Woche durchzuhalten und strahlte eine Parodie des ABBA-Songs "Mamma Mia" aus, mit dem Schwedens Verteidigungsministerin verspottet wurde: "Mamma Mia, Russen kommen her, zu Fuß - oh mein Gott, das macht Angst! ... Verteidigungsministerin trägt ein Kleid..."

Das russische Fernsehen verspottet Schwedens militärische Fähigkeiten. (Bildquelle: Yesterday Live, Video-Screenshot)

Seltsamerweise kostet das schwedische Militär, obwohl sehr wenig von ihm übrig geblieben ist, immer noch riesige Summen an Geld. Der Verteidigungshaushalt ist nur um 20% verringert worden. Die Einsparungen sind so spärlich, weil Berufssoldaten mehr Sold bekommen als Wehrpflichtige, aber es gibt auch noch andere Erklärungen.

Alyson J.K. Bailes, ein hochrangiger britischer Diplomat bei mehreren nordischen Ländern und ehemaliger Leiter des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) erklärte in der Dokumentation "Was geschah mit der Verteidigung?":

Schweden hat seine Truppenstärke in den letzten Jahren sehr, sehr stark reduziert, so dass es jetzt fast die kleinsten Streitkräfte und das kleinste Heer aller nordischen Staaten hat - obwohl es zweimal so groß ist wie jeder andere. Ich denke, wenn die Menschen das sehen, dann werden sie ziemlich überrascht sein und ich glaube, jeder externe Verteidigungsexperte, der sich das genau ansieht, würde zu dem Schluss kommen, dass Schweden nicht die Ressourcen besitzt sich zu verteidigen.

...

Schweden hat eine solche große Rüstungsindustrie, dass es stolz darauf auf seine motorisierten schweren Verbände war. Sieht man sich jedoch an, wie viel Geld es auf Ausrüstung und Forschung pro Kopf der Streitkräfte verwendet hatte, stellt sich diese Summe als höchste in Europa heraus. Sie ist viermal so hoch wie das, was Deutschland pro Soldat ausgibt. Und dann muss man sich fragen: Ging es bei einigem eher darum die Industrie zu schützen als eine ausgewogene und effektive Verteidigung zu haben?

Benommen und verwirrt angesichts der neuen Bedrohungen so nahe an Schweden wollen die meisten politischen Parteien heute mehr Geld für die Verteidigung ausgeben. Aber sie erbitten nur Kleckerbeträge. Im April entschied das Parlament die Erhöhung des Verteidigungshaushalts um 10,2 Milliarden Kronen (€127 Millionen) für die Jahre 2016 bis 2020 und setzten eine neue Untersuchung des Für und Wider der internationalen Zusammenarbeit Schwedens in der Sicherheitspolitik mit der UNO, OSZE, EU und NATO in Gang. Die Summe liegt weit unter dem, was der Oberkommandierende gerade erst angefordert hatte, um umsetzen zu können, was das Parlament vor fünf Jahren angewiesen hatte. Das Parlament forderte vieles, hat aber nie ausreichend Millionen gegeben, um das zu tun.

Nur die Schwedendemokraten forderten die Rückkehr auf ein Ausgabenlevel, wie Schweden es 1999 hatte, was zusätzlich 40 Milliarden Kronen (€4,2 Millionen) für die Jahre 2016 bis 2020 erfordern würde.

Mikael Jansson, verteidigungspolitischer Sprecher der Schwedendemokraten, sagte gegenüber dem Gatestone Institute, nach dem Ende des Kalten Krieges war es nur natürlich Verteidigungsausgaben zu kürzen, aber er hat das Gefühl, dass die verantwortlichen Politiker viel zu weit gingen.

Hätten die Kürzungen im Verteidigungshaushalt 1999 geendet, würden wir heute eine weit vernünftigere Lage haben. Das Ziel ist heute eine winzige Militärorganisation aufzubauen, die aber trotz ihrer Winzigkeit immer noch unterfinanziert ist. Uns fehlen rund 50 Milliarden Kronen (€5,3 Milliarden). Selbst wenn also der Verteidigungshaushalt beträchtlich erhöht wird, wird es Zeit brauchen, bevor Schweden wieder eine brauchbare Verteidigungskapazität erreicht. Man kann leicht sehen, warum der Verteidigungshaushalt verdoppelt werden muss, um die Wirklichkeit zu erreichen, von der die Politiker auf so schöne Weise reden. Um in der Lage zu sein Schweden zu verteidigen. Wir brauchen dringen neue U-Boote, um zu verhindern, dass ihre Gesamtzahl auf weniger als acht fällt. Es ist auch wichtig ein neues, modernes, weit reichendes Luftverteidigungssystem zu bestellen, damit wir Stockholm, Gotland und alle anderen Militärstützpunkte verteidigen können. Die Bestellung neuer SAAB 39 Gripen E sollte auf 100 Flugzeuge erhöht werden. Die alten Gripen-Flugzeuge sollten erhalten bleiben, um die Zahl der militärischen Fliegereinheiten zu erhöhen."

Wie stellen sich die schwedischen Politiker also die Verteidigung des Landes vor, sollten die Russen sich z.B. in den Kopf setzen auf Gotland einzumarschieren?

Die Insel in der Ostsee ist ein strategisch wichtiger Vorposten, nahe an den baltischen Ländern, die alle Mitglieder der NATO sind. Der NATO beizutreten hat den schwedischen Politikern nie gefallen, aber 2009 verkündete das schwedische Parlament plötzlich eine "Solidaritätserklärung" mit der EU. Darin heißt es:

"Schweden wird nicht passiv bleiben, wenn eine Katastrophe oder ein Angriff einen anderen Mitgliedsstaat oder ein nordisches Land treffen sollten. Wir erwarten, dass andere Länder genauso handeln, sollte Schweden betroffen sein. Unser Land wird also zivile wie auch militärische Unterstützung geben und erhalten."

Der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves war von der Erklärung nicht beeindruckt. "Das Problem mit der Solidaritätserklärung", sagt er, "besteht darin, dass sie nichts Konkretes beinhaltet. Man könnte 10.000 Flaschen Olivenöl schicken und damit die Forderung nach Solidarität erfüllen."

Stattdessen vertraut er auf die NATO, die regelmäßig in Estlands Luftraum Patrouille fliegt. US-Präsident Barack Obama hat gesagt: "Die Verteidigung von Riga, Vilnius und Tallinn ist genauso wichtig wie die Verteidigung von Paris, Berlin und London."

Die NATO ist sich durchaus bewusst, dass schwedisches Territorium wichtig ist. Eine NATO-Übung im Herbst 2014 spielte ein Szenario durch, in dem Russland das südliche Schweden besetzt hatte. Diese Übung war für Karlis Neretnieks, den ehemaligen Rektor des Nationalen Verteidigungszentrums, alles andere als überraschend.

Es wird ein Rennen um schwedisches Territorium geben, wenn eine ernste Krise in unserer direkten Nachbarschaft entstehen sollte. Was die Russen angeht, so wäre es ein großer Vorteil Gotland "auszuleihen". Das kostet nichts, geht schnell und einfach und sie können sagen: 'Ihr bekommt die Insel zurück. Wir wollen euch nicht schaden, ihr bekommt Gotland in zwei bis drei Monaten wieder, wir müssen nur die baltischen Staaten dazu bringen zu tun, was wir wollen.' Warum sollten die Russen darauf verzichten?"

Aber Schweden hat doch bestimmt zumindest dafür gesorgt, dass Gotland gut verteidigt wird? Genau genommen: Nein. Die gesamte Verteidigung Gotlands besteht aktuell aus 14 Panzern, die in einem Lagerhaus verstaut sind. Die Panzer gehören zu den besten der Welt und die schwedischen Streitkräfte haben 120 davon gekauft; da es aber nur drei Panzerkompanien gibt (von denen keine auf Gotland stationiert ist), gibt es nur genug Besatzungen für 42 Panzer - oder ein Drittel davon.

Heute tut den Architekten des verlorenen Militärs leid, was sie angerichtet haben. Johan Kihl sagt, infolge fehlender Ressourcen seien die Streitkräfte nicht in der Lage das Land vernünftig zu verteidigen. In der Dokumentation sieht der ehemalige Oberkommandierende Owe Wictorin tief bestürzt aus. Er sagt, die Richtung war richtig, aber die Zielsetzung, der Umfang und das Tempo, mit denen die Veränderungen umgesetzt wurden, war falsch." Und die Idee, dass Schweden zu verteidigen das Wichtigste ist, ging verloren. Ich denke immer noch so."

Der Militärhistoriker Wilhelm Agrell stellt fest, dass es mehrere offensichtlich Erfordernisse gibt, die erfüllt werden müssen: "Man muss immer darauf vorbereitet sein die Hauptstadt des Landes, lebenswichtige Infrastruktur, Stromversorgung und Telekommunikation, wichtige Flughäfen, wichtige Grundbedürfnisse und militärische Befestigungen zu verteidigen. ... Heute Schweden hat diese Fähigkeit nicht."

Während das Gatestone Institute zu den Artikeln steht, die Ingrid Carlqvist bisher für Gatestone geschrieben hat, ist Gatestone auf keine Weise mehr mit ihr verbunden.

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