• "Der KGB hatte sich die PLO ausgedacht; er hatte eine Schwäche für 'Befreiungs'-Organisationen." — Ion Mihai Pacepa, ehemaliger Chef der Auslandsgeheimdienstes Rumäniens.

  • "Zuerst vernichtete der KGB sämtliche Dokumente zu Arafats Geburt in Kairo und ersetzte sie durch fiktive Dokumente, die sagten, er sei in Jerusalem geboren und daher Palästinenser durch Geburt." — Ion Mihai Pacepa.

  • "Die islamische Welt war eine wartende Petrischale, in der wir einen ansteckenden Strang Amerikahass nähren konnten, gezogen aus de, Bakterium des marxistisch-leninistischen Gedankenguts. Islamsicher Antisemitismus reichte tief... Wir mussten nur unsere Themen wiederholten – dass die USA und Israel 'faschistische, imperial-zionistische Länder' sind, finanziert von reichen Juden." — Juri Andropow, ehemaliger KGB-Vorsitzender.

  • Schon 1965 hatte die UdSSR formell in der UNO eine Resolution vorgeschlagen, dass Zionismus als Kolonialismus und Rassismus zu verurteilen sei. Obwohl die Sowjets mit dem ersten Versuch keinen Erfolg hatten, stellte sich die UNO als überwältigend dankbarer Empfänger sowjetischer Bigotterie und Propaganda heraus; im November 1975 wurde schließlich Resolution 3379 verabschiedet, die Zionismus als "Form von Rassismus und Rassendiskriminierung" verurteilte.

Die neueste Entdeckung, dass Mahmud Abbas, Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde (PA), 1983 in Damaskus als Spion des KGB tätig war, wurde von vielen in den Mainstream-Medien als "historische Kuriosität" abgetan – außer dass die Nachricht ungelegen ausgerechnet zu einer Zeit herauskam, in der Präsident Wladimir Putin versuchte neue Gespräche zwischen Abbas und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu zu organisieren. Vorhersehbar wies die PA die Nachricht sofort zurück. Der Fatah-Vertreter Nabil Sha'ath bestritt, dass Abbas jemals für den KGB arbeitete und nannte die Behauptung eine "Diffamierungskampagne".

Die Entdeckung ist weit davon entfernt eine "historische Kuriosität" zu sein; sie ist ein Aspekt der vielen Teile des Puzzles der Ursprünge des islamischen Terrorismus im 20. und 21. Jahrhundert. Diese Ursprünge werden fast immer verschleiert und verdunkelt; dazu gibt es kaum verhüllte Versuche ein besonderes Narrativ zu den Ursachen des zeitgenössischen Terrorismus vorzulegen, während alle Beweise des Gegenteils als "Verschwörungstheorien" verunglimpft werden.

Es gibt nichts Verschwörerisches zu der jüngsten Enthüllung. Sie kommt aus einem Dokument im Mitrokhin-Archiv im Churchill Archives Center an der University of Cambridge in Großbritannien. Wasili Mitrokhin war ein ehemaliger ranghoher Beamter des sowjetischen Auslandsgeheimdienstes, der später auf die Stufe eines KGB-Archivars heruntergestuft wurde. Unter enormem Risiko für sein eigenes Leben verbrachte er 12 Jahre damit fleißig geheime KGB-Akten zu kopieren, die andernfalls für die Öffentlichkeit nicht zugänglich geworden wären (die KGB-Auslandsarchive bleiben trotz des Untergangs der Sowjetunion für die Öffentlichkeit unzugänglich). Als Mitrokhin 1992 aus Russland überlief, brachte er die kopierten Akten mit nach Großbritannien. Die freigegebenen Teile des Mitrokhin-Archivs wurden in den Schriften des Cambridge-Professors Christopher Andrew an die Öffentlichkeit gebracht, der zusammen mit dem sowjetischen Überläufer The Mitrokhin Archive schrieb (in zwei Bänden veröffentlicht). Mitrokhins Archiv führte unter anderem zur Entdeckung vieler KGB-Spione nicht nur im Westen.

Leider ist die Geschichte des vollen Ausmaßes des Einflusses und der Desinformationsoperationen des KGB nicht ansatzweise so bekannt, wie es sein sollte, bedenkt man den immensen Einfluss, den der KGB auf internationale Angelegenheiten ausübte. Der KGB führte feindliche Operationen gegen die NATO als Ganzes, gegen demokratische abweichende Meinungen innerhalb des Sowjetblocks durch und setzte subversive Vorkommnisse in Lateinamerika und dem Nahen Osten in Gang, die bis heute nachwirken.

Der KGB war darüber hinaus ein extrem aktiver Akteur bei der Gründung der sogenannten Befreiungsbewegungen in Lateinamerika und dem Nahen Osten – Bewegungen, die in der Folge tödlichen Terrorismus betrieben – was neben vielen anderen Stellen auch im Mitrokhin-Archiv dokumentiert wird, außerdem in den Büchern und Werken von Mihai Pacepa, dem ranghöchsten kommunistischen Beamten, der aus dem ehemaligen Sowjetblock überlief.

Pacepa war Leiter des Auslandsgeheimdienstes Rumäniens und persönlicher Berater des rumänischen Kommunistenführers Nicolae Ceausescu, bevor er 1978 in die Vereinigten Staaten überlief. Pacepa arbeitete mehr als 10 Jahre mit der CIA zusammen, um den Kommunismus zu Fall zu bringen; die Agency beschrieb seine Kooperation als "einen wichtigen und einzigartigen Beitrag für die Vereinigten Staaten".

In einem Interview mit dem FrontPage Magazine sagte Pacepa 2004:

Der KGB hatte sich die PLO ausgedacht; er hatte eine Schwäche für "Befreiungs"-Organisationen. Es gab die Nationale Befreiungsarmee von Bolivien, 1964 vom KGB mit Hilfe von Ernesto "Che" Guevara gegründet ... der KGB schuf auch die Demokratische Front zur Befreiung Palästinas, die zahlreiche Bombenanschläge verübte... 1964 genehmigte der erste PLO-Rat, der aus 422 vom KGB handverlesenen palästinensischen Repräsentanten bestand, die palästinensische Nationalcharta – ein Dokument das in Moskau entworfen wurde. Die palästinensische Nationalvertrag und die palästinensische Verfassung wurden ebenfalls in Moskau geboren; dabei half Ahmed Schuqairy, ein KGB-Beeinflussungsagent, der der erste PLO-Vorsitzende wurde...

Im Wall Street Journal erklärte Pacepa, wie der KGB Arafat aufbaute – order in heutiger Ausdrucksweise: wie man für ihn ein Narrativ aufbaute:

Er war ein ägyptischer Bourgeois, der vom KGB-Auslandsgeheimdienst in einen eifrigen Kommunisten gedreht wurde. Der KGB hat ihn in seiner Schule für Sonderoperationen Balaschika, östlich von Moskau, ausgebildet und entschied Mitte der 1960-er Jahre ihn als zukünftigen PLO-Führer aufzubauen. Zuerst vernichtete der KGB sämtliche Dokumente zu Arafats Geburt in Kairo und ersetzte sie durch fiktive Dokumente, die sagten, er sei in Jerusalem geboren und daher Palästinenser durch Geburt.

Der verstorbene Historiker Robert S. Wistrich schrieb in A Lethal Obsession,[1] dass der Sechstagekrieg eine langgezogene, intensive Kampagne seitens der Sowjetunion entfesselte, um Israel und die Bewegung für jüdische Selbstbestimmung, die wir als Zionismus kennen, zu delegitimieren. Das wurde gemacht, um den Schaden zu beseitigen, die das Prestige der Sowjetunion nach Israels Sieg über ihre arabischen Verbündeten erlitt:

Nach 1967 begann die UdSSR die Welt mit einem ständigen Strom antizionistischer Propaganda zu fluten... Nur die Nazis hatten in ihren zwölf Jahren an der Macht jemals erfolgreich solch einen kontinuierlichen Strom an erfundenen Verleumdungen als Instrument ihrer Innen- und Außenpolitik produziert.[2]

Dazu beschäftigte die UdSSR jede Menge Nazi-Triggerworte, um den israelischen Sieg über die arabische Aggression von 1967 zu beschreiben, von denen mehrere von der westlichen Linken noch heute eingesetzt werden, wenn es um Israel geht; dazu gehören "Völkermord praktizierend", "rassistisch", "Konzentrationslager" und "Herrenvolk".

Darüber hinaus betrieb die UdSSR in der arabischen Welt eine internationale Verleumdungskampagne. 1972 startete die Sowjetunion "Operation SIG" (Sionistskiye Gosudarstwa – "zionistische Regierungen"), die den Zweck hatte die Vereinigten Staaten so zu beschreiben: ein "arrogantes und überhebliches jüdisches Lehen, das von jüdischem Geld finanziert und von jüdischen Politikern geführt wird, dessen Ziel es war die gesamte islamische Welt zu unterwerfen". Rund 4.000 Agenten wurden vom Sowjetblock in die islamische Welt geschickt, bewaffnet mit Exemplaren der alten russisch-zaristischen Fälschung Die Protokolle der Weisen von Zion. Der KGB-Vorsitzende Juri Andropow gab an:

"Die islamische Welt war eine wartende Petrischale, in der wir einen ansteckenden Strang Amerikahass nähren konnten, gezogen aus de, Bakterium des marxistisch-leninistischen Gedankenguts. Islamsicher Antisemitismus reichte tief... Wir mussten nur unsere Themen wiederholten – dass die USA und Israel 'faschistische, imperial-zionistische Länder' sind, finanziert von reichen Juden. Der Islam war besessen davon die Besatzung seines Territoriums durch Ungläubige zu verhindern und er war höchst empfänglich für unsere Darstellung des US-Kongresses als habgierigem zionistischem Gremium, das es darauf abgesehen hat die Welt in ein jüdisches Lehensgut zu verwandeln."

Schon 1965 hatte die UdSSR formell in der UNO eine Resolution vorgeschlagen, dass Zionismus als Kolonialismus und Rassismus zu verurteilen sei. Obwohl die Sowjets mit dem ersten Versuch keinen Erfolg hatten, stellte sich die UNO als überwältigend dankbarer Empfänger sowjetischer Bigotterie und Propaganda heraus; im November 1975 wurde schließlich Resolution 3379 verabschiedet, die Zionismus als "Form von Rassismus und Rassendiskriminierung" verurteilte. Diese Kampagne war so gestaltet, dass sie Unterstützung für die sowjetische Außenpolitik in Afrika und dem Nahen Osten aufbaute.[3] Eine weitere Taktik bestand darin in den sowjetischen Medien ständig visuelle und verbale Vergleiche zwischen Israel und Südafrika zu ziehen (das ist der Ursprung des der Lüge von "israelischer Apartheid").

Nicht nur die Dritte Welt, sondern auch die westliche Linke verschlang diese ganze sowjetische Propaganda unverarbeitet. Letztere verbreitet bis heute weiter große Teile davon. Tatsächlich wurde jemanden als rassistisch zu verleumden, wer immer es auch ist, eine der Hauptwaffen der Linken gegen diejenigen, die nicht ihrer Meinung sind.

Teil der sowjetischen Taktik zur Isolierung Israels bestand darin die PLO "respektabel" erscheinen zu lassen. Nach Angaben von Pacepa fiel diese Aufgabe dem rumänischen Führer Nicolae Ceausescu zu, der das merkwürdige Propagandakunststück erreichte, den skrupellosen rumänischen Polizeistaat dem Westen gegenüber als "moderates" kommunistisches Land erscheinen zu lassen. Nichts hätte von der Wahrheit weiter entfernt sein können, wie sich letztlich 1989 im Gerichtsverfahren gegen Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena zeigte, das mit beider Hinrichtung endete.

Yassir Arafat (links) mit dem rumänischen Führer Nicolae Ceausescu während eines Besuchs in Bukarest 1974 (Bildquelle: rumänisches Nationales Geschichtsmuseum)

Pacepa schrieb im Wall Street Journal:

Im März 1978 brachte ich Arafat heimlich zu abschließenden Anweisungen, wie er sich in Washington verhalten sollte, nach Bukarest. "Du musst einfach immer weiter behaupten, dass du mit dem Terrorismus brechen und dass du Israel anerkennen wirst - immer und immer und immer wieder", sagte Ceausescu ihm [Arafat]... Ceausescu wurde wegen der Aussicht euphorisch, dass sowohl Arafat als auch er in der Lage sein könnten mit ihrer falschen Zurschaustellung des Olivenzweiges einen Friedensnobelpreis zu ergattern.

... Ceausescu scheiterte beim Nobelpreis. Aber 1994 bekam Arafat den seinen - alles, weil er weiter die Rolle bis zur Perfektion spielte, die wir ihm gaben. Er hatte seine terroristische PLO in eine Exilregierung verwandelt (später die palästinensische Autonomiebehörde), immer vortäuschend dem palästinensischen Terrorismus Einhalt zu gebieten, während er ihn unvermindert weitergehen ließ. Zwei Jahre nach Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen war die Zahl der von palästinensischen Terroristen getöteten Israelis um 73% gestiegen.

In seinem Buch Red Horizons[4] berichtet Pacepa, was Arafat bei einem Treffen mit ihm im PLO-Hauptquartier in Beirut etwa zu der Zeit sagte, als Ceausescu versuchte die PLO "respektabel" zu machen:

Ich bin Revolutionär. Ich habe mein ganzes Leben der palästinensischen Sache und der Vernichtung Israels gewidmet. Ich werde mich nicht ändern und auch keine Kompromisse eingehen. Ich werde nichts zustimmen, das Israel als Staat anerkennt. Niemals... Aber ich werde immer bereit sein den Westen glauben zu machen, dass ich will, von dem Bruder Ceausescu möchte, das ich es tue.[5]

Die Propaganda ebnete sauber den Weg für Terrorismus, erklärte Pacepa in der National Review.

General Aleksandr Sakharovsky, der die Geheimdienststruktur des kommunistischen Rumänien aufbaute und dann zum Leiter aller russischen Auslandsgeheimdienste aufstieg, belehrte mich oft: "In der heutigen Welt, in der Atomwaffen militärische Streitkräfte überflüssig gemacht haben, sollte Terrorismus unsere Hauptwaffe werden."

Der sowjetische General machte keine Witze. Allein 1969 gab es weltweit 82 Flugzeugentführungen. Nach Angaben von Pacepa wurden die meisten davon von der PLO und ihr angegliederten Gruppen verübt, alle unterstützt vom KGB. 1971, als Pacepa Sakharovsky in seinem Büro in der Lubjanka (dem KGB-Hauptquartier) traf, prahlte der General: "Flugzeugentführungen sind meine ganz persönliche Erfindung." Ql-Qaida nutzte beim 11. September Flugzeugentführungen, als sie Flugzeuge benutzten, um Gebäude zerstören.

Wo passt dann Mahmud Abbas in all das hinein? 1982 studierte Mahmud Abbas in Moskau am Institut für Orientstudien an der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. (1983 wurde er dann KGB-Spion.) Dort schrieb er seine Dissertation, die auf Arabisch als Die anderer Seite: Die geheimen Beziehungen zwischen dem Nationalsozialismus und der Führung der zionistischen Bewegung veröffentlicht wurde. Darin bestritt er die Existenz von Gaskammern in den Konzentrationslagern und stellte die Zahl der Holocaustopfer in Frage, indem er die sechs Millionen getöteten Juden "eine fantastische Lüge" nannte, während er gleichzeitig die Schuld am Holocaust den Juden selbst zuschrieb. Sein Doktorvater war Jewgeni Primakow, der später Außenminister Russlands werden sollte. Selbst nach Beendigung seiner Dissertation hielt Abbas enge Verbindungen mit der Sowjetführung, dem Militär und Mitgliedern des Geheimdienste. Im Januar 1989 wurde er zum Vizevorsitzenden des palästinensisch-sowjetischen (und dann russisch-palästinensischen) Arbeitskomitee für den Nahen Osten ernannt.

Wenn der aktuelle Führer der palästinensischen Araber Gefolgsmann des KGB war - dessen Machenschaften allein im Nahen Osten das Leben tausender Menschen gekostet hat - kann das nicht als eine "historische Kuriosität" abgetan werden, selbst wenn heutige Meinungsmacher es vorziehen würden das als solche zu betrachten.

Obwohl Pacepa und Mitrokhin ihre Warnungen vor vielen Jahren ausgaben, behelligten sich nur wenige damit ihnen zuzuhören. Sie sollten es aber.

Judith Bergman ist eine Schriftstellerin, Kolumnistin, Juristin und Politikanalystin.


[1] Robert S. Wistrich: A Lethal Obsession: Anti-semitism from Antiquity to the Global Jihad (Eine tödliche Besessenheit: Antisemitismus von der Antike bis zum globalen Jihad)

[2] Robert S. Wistrich: A Lethal Obsession. 2010, S. 139.

[3] Robert S. Wistrich: A Lethal Obsession. 2010, S. 148.

[4] Rote Horizonte

[5] Robert S. Wistrich: A Lethal Obsession. 2010, S. 92-93.

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